Der Schnauzer

 

Die Schnauzer, wer kennt sie nicht, diese Hunde mit den auffallend langen Haaren am Fang

und an den Brauen.

In ihrem Wesen sehr einheitlich, treffen wir

die Schnauzer heute in drei unterschiedlichen Größen an: den Zwergschnauzer, den

Schnauzer und den Riesenschnauzer.

Der Schnauzer, der manchmal auch als Abgrenzung zu seinen beiden Rassebrüdern

Mittelschnauzer genannt wird, ist wahrscheinlich der ursprünglichste

Schnauzer - Typ, aus dem Zwerg- und Riesenschnauzer und Letzterer mit

verschiedenen Einkreuzungen herausgezüchtet wurden.


 

HERKUNFT

 

Die Rassegeschichte der Schnauzer beginnt Ende des 19.Jahrhunderts, doch ihre

Wurzeln lassen sich zu rauhaarigen Pinscher-Schlägen bis weit ins 15.Jahrhundert

zurückverfolgen.

Die Ahnen des Schnauzers lebten vor allem im Süden Deutschlands auf den

Bauernhöfen. Dort teilten sie sich die Ställe mit den Pferden und jagten Mäuse

und Ratten, die durch das gelagerte Tierfutter in Massen angezogen wurden.

Des Nachts waren sie aufmerksame Wächter, am Tage begleiteten sie die Fuhrleute

auf ihren Wegen. Es waren ausdauernde, furchtlose und raubzeugscharfe Hunde,

die allen Anforderungen ihrer Halter gerecht wurden.

Es gab zwei Schläge dieser Stallhunde, einen glatthaarigen, der als Vorfahre der

heutigen Pinscher - Rassen gelten muss und einen rauhaarigen , aus dem die

heutigen Schnauzer gezüchtet wurden. Diese rauhaarigen Vorfahren der Schnauzer

zeigten vor allem an den Läufen, den Brauen und dem Fang ein verlängertes

Deckhaar, das zu ihrem typischen Aussehen beitrug. Bis aber aus diesen Hunden

typische Schnauzer wurden, vergingen einige Jahrzehnte. Die Vorfahren der

heutigen Schnauzer erschienen nicht nur in einer weitaus gefächerten Farbbreite,

die neben den grauen Farbtönen besonders auch gelbe Schattierungen aufwies,

sondern waren auch in ihrer Kopfform und ihrem Körperbau uneinheitlich.

 

Farben

Heute sind als Farben für den Mittelschnauzer nur noch Schwarz und Pfeffer-Salz

zugelassen. Beim Zwergschnauzer ist die erlaubte Farbpalette etwas

umfangreicher und umfasst neben Schwarz und Pfeffer-Salz seit 1968 auch noch

rein Weiß und Schwarzsilber. Der schwarze Farbschlag ist beim Riesenschnauzer

mit Abstand der dominierende. Pfeffer-Salz-farbene Riesenschnauzer suchte man

vergeblich, und es ist dem Engagement weniger ambitionierter Züchter zu

verdanken, dass wir diesen Farbschlag heute überhaupt wieder finden, der mühsam

aus besonders großen pfeffer-salz-farbenen Mittelschnauzern rekonstruiert

wurde. 

 

CHARAKTER


Die Schnauzer gehörten nie zu den Rassen, die viel von sich reden machten. Sie

hatten immer ihre Anhänger, die sie mit ihrem anhänglichen Wesen, ihrer

Menschenbezogenheit, ihrer Intelligenz, aber besonders in früheren Zeiten auch

aufgrund ihres Schutzinstinktes und ihrer Raubzeugschärfe zu überzeugen

wussten.

Der gute Schnauzer von heute ist ein robuster, beweglicher Hund mit viel

Temperament, wachsam und misstrauisch, ein Hund mit ausgeprägtem Sinn für

Besitz und Eigentum, oft aggressiv, wenn er sich bedroht fühlt, sehr selbständig

und dennoch anhänglich. Ein Hund, der im Alter viele persönliche Eigenheiten, wenn

nicht gar Schrullen entwickelt.

Praktisch alle Schnauzer, ob Mittel- , Zwerg- oder Riesenschnauzer, sind von

Natur aus misstrauisch. Misstrauen heißt keineswegs Angst. Ängstlich ist der

Schnauzer nicht, im Gegenteil, es ist ihm eine gehörige Dosis Frechheit und

Neugier eigen. Was sein Misstrauen erregt, muss aus der Nähe berochen und

besehen werden. Dass er jeglicher Berührung durch fremde Menschen meistens aus

dem Wege geht, hat mit Angst nichts zu tun. Er schätzt das einfach nicht.

Alle Schnauzer, die großen wie die kleinen, haben einen ausgeprägten

Eigentumssinn. Was ihnen, respektive "ihrer" Familie gehört, das wird scharf

verteidigt.

Dieser ausgeprägte Eigentumssinn macht den Schnauzer zum

prädestinierten Wachhund. Der gute Schnauzer ist darin unübertroffen, und zwar

deshalb, weil er in der Regel die Grenzen seines Territoriums sehr scharf zieht.

Was sich ausserhalb desselben bewegt, ist ihm gleichgültig. Er ist deshalb kein

unnützer Kläffer, gebellt wird erst, wenn wirklich Alarm am Platze ist.

Schnauzer haben einen starken Schutztrieb. Sie greifen bei scheinbarem- oder

wirklichem Streit zugunsten ihres Herrn ein. Vor allem der Riesen- und der

Mittelschnauzer sind dann sehr unangenehme Gegner, weil sie, einmal

angriffslustig, sozusagen schmerzunempfindlich sind.

Alle Schnauzer sind spielfreudig und behalten ihre Spiellust bis ins hohe Alter.

Sie sind deshalb ideale Gefährten für Kinder. Typisch ist aber, dass gerade beim

älteren Schnauzer die Spiellust plötzlich abbrechen kann. Mitten im Spiel wendet

er sich ab, und es entspricht seinem Eigensinn, dass er sich dann zu keinem

neuen Spiel mehr auffordern lässt.

Viele Schnauzer, auch die Zwerge, sind typische Einmann- oder Einfrauhunde.
Im Alter von 10 bis 12 Monaten erwählen sie sich innerhalb der Familie ihre

Bezugsperson, und dieser hängen sie dann durch dick und dünn an.

Die Schnauzer aller drei Größen sind in der Regel recht langlebig. Vergreisung

setzt bei ihnen relativ spät ein, macht dann aber oft sehr rasche Fortschritte.

Typisch für viele Schnauzer ist das Herausbilden oft verblüffender persönlicher

Marotten.

Die Schnauzer aller Größen sind ausgesprochene Familienhunde ; nicht verschwiegen

sei aber ihre Eigenwilligkeit und Selbständigkeit. Wer diese bei einem Hund nicht

erträgt, der lasse die Hände vom Schnauzer. Wer aber gerade diese

unverbildeten Charaktere liebt, der wird beim Schnauzer wie bei kaum einem

anderen Hund auf seine "Rechnung" kommen.

 

(Dr. Hans Räber Der "Schnauzer", Kynos Verlag Mürlenbach, 1997, S. 24 - 26.)

 

 

 

 

 

 

 

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